3 – Ihre Rechte vor Gericht

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Wo findet die Hauptverhandlung statt?

Alle Strafverfahren beginnen vor einem Link öffnet neues FensterMagistrates' Court. Danach gibt es drei verschiedene Möglichkeiten für die Fortsetzung des Verfahrens.

Bei geringfügigen Vergehen ist das gesamte Verfahren am Magistrates‘ Court durchzuführen. Die Kammer besteht dann entweder aus Link öffnet neues Fensterdrei Friedensrichtern oder einem Berufsrichter, dem District Judge.

Bei schwerwiegenderen Vergehen kann das Verfahren am Magistrates‘ Court oder am Link öffnet neues FensterCrown Court vor einem Geschworenengericht stattfinden, das sich aus einem Richter und zwölf Geschworenen zusammensetzt.

Die Friedensrichter bzw. der District Judge des Magistrates‘ Court entscheiden, welche Verfahrensart zweckmäßig ist, nachdem sie die Ausführungen Ihres Strafverteidigers zur Kenntnis genommen haben. Sofern angebracht, findet Ihr Verfahren vor dem Magistrates‘ Court statt. Andernfalls oder wenn Sie auf einer Verhandlung vor dem Crown Court bestehen, wird ihr Fall an dieses Gericht verwiesen. Bei Volljährigen ist die Hauptverhandlung grundsätzlich öffentlich.

Wenn Sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, findet das Verfahren vor einem Link öffnet neues FensterJugendgericht statt, es sei denn, es handelt sich um eine sehr schwerwiegende Anklage. Die Kammer besteht dann aus einem Berufsrichter oder drei besonders geschulten Friedensrichtern. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Kann die Anklage während der Hauptverhandlung geändert werden?

Die Anklagepunkte können im Rahmen einer gerichtlichen Voruntersuchung noch geändert werden. Sobald das Gericht mit der Beweisaufnahme begonnen hat, ist das in der Regel nicht mehr möglich. Weniger schwerwiegende Fälle müssen binnen sechs Monaten ab dem Tatzeitpunkt vor Gericht gebracht werden. Sie können sich bei allen oder bei einzelnen Anklagepunkten schuldig bekennen. Die Staatsanwaltschaft kann Ihr Geständnis wegen einer weniger schwerwiegend Straftat als der, deren Sie angeklagt sind, annehmen.

Müssen Sie bei der Gerichtsverhandlung anwesend sein?

Wenn Sie trotz Vorladung nicht bei Gericht erscheinen, begehen Sie eine Straftat. Das Verfahren kann auch in Ihrer Abwesenheit fortgesetzt werden. Bei geringfügigen Vergehen kann man sich häufig durch einen Anwalt vertreten oder dem Gericht auf dem Postweg eine schriftliche Schuldanerkenntnis zukommen lassen oder seine Zustimmung zur Fortsetzung des Verfahrens in Abwesenheit der eigenen Person geben. Verfahren vor dem Crown Court können in der Regel nicht ohne die Anwesenheit des Angeklagten stattfinden. Wenn Sie allerdings die Sitzung stören oder sich dem Verfahren entziehen, kann es in Ihrer Abwesenheit fortgesetzt werden. Wenn Sie einer Ladung des Gerichts ohne triftigen Grund nicht Folge leisten, begehen Sie eine strafbare Handlung.

Können Sie per Videoschaltung an der Gerichtsverhandlung teilnehmen?

In der Regel ist dies nicht möglich, auch wenn es bei manchen Verhandlungen gestattet ist, eine Person aus einer Haftanstalt oder einer Polizeidienststelle im Rahmen einer Link öffnet neues FensterVideokonferenz zuzuschalten. In diesem Fall befinden sich die Friedensrichter bzw. der Richter und der Staatsanwalt im Gerichtsaal. Ihr Anwalt ist entweder auf der Polizeidienststelle oder im Gerichtssaal anwesend und hat die Möglichkeit, durch die Videoschaltung mit Ihnen zu sprechen und Sie auf einem Bildschirm zu sehen.

Wird Ihnen ein Dolmetscher zur Seite gestellt, wenn Sie nicht verstehen, was geschieht?

Wenn Sie die englische Sprache nicht beherrschen, wird das Gericht einen Dolmetscher für Sie bestellen.

Werden Sie durch einen Anwalt vertreten sein?

Sie sind grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, sich bei Gericht durch einen Anwalt vertreten lassen. Es wird Ihnen allerdings dringend angeraten, einen Anwalt mit Ihrer Verteidigung zu beauftragen. In bestimmten Verfahren muss der Angeklagte einen Strafverteidiger haben, zum Beispiel bei Vergewaltigungsprozessen oder wenn minderjährige Zeugen vernommen werden.

Können Sie den Anwalt wechseln?

Ja, weitere Informationen hierzu finden Sie im Link öffnet neues FensterInformationsblatt 1.

Müssen Sie vor Gericht aussagen?

Es steht Ihnen frei, vor Gericht auszusagen, aber man kann Sie nicht dazu zwingen. Ihr Anwalt wird Sie dahingehend beraten, ob Sie einer Vernehmung durch das Gericht zustimmen sollten. Sollten Sie ohne nachvollziehbaren Grund keine Aussage leisten, kann dies unter Umständen gegen Sie sprechen. Eine Verurteilung allein aufgrund einer Aussageverweigerung ist jedoch unzulässig.

Über welche Rechte verfügen Sie bei belastenden Beweisen?

Wenn Sie damit einverstanden sind, kann eine Zeugenaussage verlesen oder in zusammengefasster Form wiedergegeben werden. Wenn Sie den Inhalt einer Zeugenaussage bestreiten, ist es in der Regel erforderlich, dass der Zeuge seine Aussage vor Gericht wiederholt. Dann haben Sie die Möglichkeit, die Aussage zu entkräften, indem Sie den Zeugen kritisch befragen. Wenn der Staatsanwalt Urkundenbeweise zum Nachweis Ihrer Schuld vorlegen möchte, muss er Ihren Anwalt vor der Gerichtsverhandlung davon in Kenntnis setzen. Ihr Anwalt hat das Recht, Einspruch gegen die Vorlage des betreffenden Dokuments einzulegen. Er kann jeden Belastungszeugen befragen, um dessen Aussage zu entkräften.

Können Sie Beweise zu Ihrer Entlastung einreichen?

Ja, das dürfen Sie. Das Beweismaterial kann aus Urkunden oder Sachbeweisen bestehen. Sie können auch Entlastungszeugen angeben, die dann gerichtlich vorgeladen werden. Ihre Entlastungszeugen werden vom Staatsanwalt und von Ihrem Verteidiger befragt.

Wird Ihr Vorstrafenregister berücksichtigt?

Vor der Hauptverhandlung wird der Staatsanwalt Auskünfte über etwaige Vorstrafen einholen. Dazu zählen unter Umständen auch Urteile, die in anderen Ländern ergangen sind. Ihr Vorstrafenregister kann dem Gericht unter bestimmten Umständen offengelegt werden. Ihr Anwalt hat jedoch die Möglichkeit, Einspruch dagegen einzulegen. Selbst wenn Ihr Vorstrafenregister in die Gerichtsverhandlung eingebracht wird, kann man Sie nicht aufgrund der bloßen Tatsache verurteilen, dass Sie vorbestraft sind.

Wie endet die Hauptverhandlung?

Nach Abschluss der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht, ob Sie schuldig oder unschuldig sind. Vor dem Magistrates‘ Court obliegt der Urteilsspruch den Friedensrichtern. Vor dem Crown Court sind ausschließlich die Geschworenen für die Urteilsfindung zuständig. Bei einem Freispruch ist der Fall abgeschlossen und Sie dürfen das Gericht verlassen, wenn keine anderen Tatvorwürfe gegen Sie vorliegen. Im Fall einer Verurteilung trägt die Verteidigung ihre Argumente für die Bemessung des Strafmaßes vor. Es kann sein, dass für die Verkündung des Strafmaßes ein gesonderter Termin anberaumt wird.

Mit welcher Strafe müssen Sie rechnen?

Das Strafmaß hängt von der Schwere der Tat ab. Das Gericht wird dabei Link öffnet neues Fensterdie staatlichen Richtlinien zugrunde legen, die eine Höchststrafe für jede strafbare Handlung festlegen. Für manche Straftaten bestehen auch Mindeststrafen.

Weitere Informationen über das mögliche Strafmaß erhalten Sie Link öffnet neues Fensterhier. Die Strafe kann aus dem Folgenden bestehen:

  • Freiheitsentzug: Eine Freiheitsstrafe kann von unbestimmter oder bestimmter Dauer sein. Das Gericht wird Ihnen erläutern, welchen Anteil der Freiheitsstrafe Sie aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Haftanstalt verbüßen müssen. Bei einem Strafmaß von weniger als zwölf Monaten kann eine Freiheitsstrafe unter festen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Dauer der Untersuchungshaft wird in der Regel angerechnet.
  • Verurteilung zu gemeinnütziger Tätigkeit: Es können verschiedene Auflagen erteilt werden, zum Beispiel das Ableisten unentgeltlicher Arbeit im Dienste der Gemeinschaft.
  • Geldstrafe
  • Entschädigung des Opfers: Sie müssen dem Opfer einen finanziellen Ausgleich für den erlittenen Schaden zahlen.
  • Abschiebung: Sie werden in Ihr Heimatland abgeschoben, allerdings nur bei schweren Straftaten.
  • Rechtsverlust: Es kann Ihnen zum Beispiel der Führerschein entzogen werden.

Welche Rolle spielt das Opfer in der Hauptverhandlung?

Das Opfer ist keine Prozesspartei, kann aber in der Verhandlung als Zeuge aussagen. Bei der Festsetzung des Strafmaßes wird der Richter die Link öffnet neues FensterAussage des Opfers über die Folgen der Straftat berücksichtigen. Der Richter kann Sie zwar nicht dazu verurteilen, zivilrechtlichen Schadensersatz zu leisten, aber er darf im strafrechtlichen Verfahren eine Link öffnet neues FensterEntschädigungsverfügung erlassen. Das Opfer kann eine Privatklage gegen Sie in die Wege leiten.

Links zum Thema

Link öffnet neues FensterVor Gericht gehen

Link öffnet neues FensterDas Gerichtsverfahren

Link öffnet neues FensterPer Videoschaltung in Echtzeit an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen

Link öffnet neues FensterRichtlinien für die Strafbemessung

Link öffnet neues FensterSorgentelefon für die Angehörigen inhaftierter Personen

Link öffnet neues FensterDas Leben im Gefängnis

Link öffnet neues FensterChildren and Young Persons Act 1933 (in der neusten Fassung)

Link öffnet neues FensterMagistrates‘ Courts Act 1980 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCriminal Justice and Public Order Act 1994 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCriminal Procedure and Investigations Act 1996 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCrime and Disorder Act 1998 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterPowers of Criminal Courts (Sentencing ) Act 2000 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCriminal Justice Act 2003 (in der jeweils geltenden Fassung)

Link öffnet neues FensterUK Borders Act 2007 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCriminal Justice and Immigration Act 2008 (in der neuesten Fassung)

Link öffnet neues FensterCoroners and Justice Act 2009 (in der neuesten Fassung)


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Letzte Aktualisierung: 01/12/2016